Kunsthaus Bühler Art Stuttgart
CHRISTIAN ROHLFS Wäscheleine

„Wäscheleine“ (um 1903)

Öl auf Leinwand – 35 x 44,5 cm

Signiert unten rechts

Wvz. Vogt Nr. 308

CHRISTIAN ROHLFS Blumenstilleben

„Blumenstilleben“ (1917)

Aquarell und Tempera – 71 x 52,5 cm

Monogr. und dat. unten rechts

Wvz. Nachtrag Inv. CR 407

CHRISTIAN ROHLFS Haus in Soest

„Haus in Soest“

Aquarell, Tempera und Kohle

34,8 x 49,2 cm

Monogrammiert unten rechts

Bestätigung Vogt 2007

CHRISTIAN ROHLFS Kamelienstöckchen

„Kamelienstöckchen“ (1910)

Öl auf Leinwand auf Pappe

56 x 39 cm

Monogrammiert und datiert unten rechts

Wvz. Vogt Nr. 464

CHRISTIAN ROHLFS Sonnenblumen

„Sonnenblumen“ (1923)

Aquarell, Tempera und Kohle

46 x 30,5 cm

Monogrammiert und datiert unten rechts

Bestätigung Vogt 2007

Rohlfs, Christian

Niendorf 1849 – 1938 Hagen/Westf.

Als Bauernsohn war Rohlfs zunächst nicht für eine Künstlerlauf­bahn bestimmt; erst nach der Amputation eines Beines begann er mit einer umfassenden künstlerischen Ausbildung. Sein Werk läßt sich in vier Schaffensperioden unterteilen.

Die Akademiezeit in Weimar (1870 – 1901) führt vom Realismus zum Impressionis­mus. Nach einer ersten, sehr akademischen Lern­phase fand Rohlfs als Meisterschüler des 1876 nach Weimar berufe­nen belgischen Malers Alexander Struys zu einem vom französischen Realismus geprägten Malstil, der ihn ab 1883 fast nur noch Land­schaften malen läßt. Schon bald zeigte sich aber Rohlfs besonde­res Interesse an der Übersetzung stofflicher Erscheinungsformen in Malerei; eines der Mittel hierfür ist der auffällig pa­stose, strukturierende Farbauftrag. Das Eingehen auf die charakteristi­schen Eigenschaf­ten des Sichtbaren deutet in Verbindung mit klei­neren Bildformaten darauf hin, daß Rohlfs wie die Impressionisten vor der Natur gemalt hat. Allerdings ordnete er sich nie dem im­pressionistischen Primat der Farbwirkung unter, so daß Linie und Körpervolu­men weiter den Bildcharakter bestimmen.

Erst um 1890 beschäftigt sich Rohlfs über den Materiecharakter der Farben hinaus mit ihren Lichteigenschaften. Seine Versuche, Farbe als Lichtreflex der farblich ge­dämpften Fläche zu überla­gern, führen in unmittelbare Nähe zum Impressionismus, dem Rohlfs damit näher stand als andere deutsche Maler. Mit seinen um 1900 geschaf­fenen Werken galt er als einer der führenden Vertreter der deutschen Freilichtmalerei und konnte mit 51 Jahren eigentlich schon als Künstler mit abgeschlossenem Werk gel­ten.

In der weiteren Entwicklung zum Expressionismus folgte Rohlfs zunächst den fran­zösischen Pointilisten Seurat und Signac, über­nahm aber nicht deren helle Palette, so daß aufgrund der satten Farbpunkte nicht der von den Vorbildern angestrebte optische Ef­fekt eines Gesamteindrucks beim Betrachter entstehen konnte (1902-­1904). Unter dem Einfluß von Werken Van Goghs ging Rohlfs dann vom Pointilismus ab und ent­wickelte bis 1906 einen neuen, den Brückemalern erstaunlich verwandten farbstarken Stil mit ex­pressiven Zügen. Bis 1913/14 verstärkte sich dann das Streben nach Auflö­sung des Bildgegenstandes in rhythmisierten Farbflä­chen.

1915 setztedie eigentlich „expressionistische“ Phase im Werk Rohlfs ein. Vor allem in biblischen Szenen von großer menschli­cher Ausdruckskraft wird die figürliche Male­rei zum wichtigsten Thema seiner Darstellungen. Rohlfs geht von der Öl- zur wärmeren Temperamalerei in dunkleren und verhalteneren Tönen über. Ab 1920 folgen dann we­sentlich freiere und lebhaftere Landschaften, wel­che durch eine extreme Steigerung der Farbwerte auffallen.

Das Spätwerk (1927 – 1938) bringt nun die Auflösung der Land­schaft in atmosphäri­sche Schleier, damit einhergehend zunächst eine verstärkte Aquarellproduktion und dann den vollständigen Übergang zu Wassertemperafarben auf Papier. In dieser Tech­nik entstanden die berühmten Blüten- und Früchtebilder, Rohlfs faszi­nierendes, glü­hend-farbiges Spätwerk.